Der Workshop befasst sich mit der Empirie und den Datengrundlagen sowie den Methoden zur Aufarbeitung der Einkommens- und Vermögensverteilung. Themen können sein: Wie sind Mittelschicht und soziale Ränder erfasst? Wie lassen sich für welche Bevölkerungsgruppen empirisch bestimmte Vor- oder Nachteile bei Einkommen und Vermögen festmachen (Stichworte: Elitenforschung, Genderaspekte, Gesundheit, Bildungsstand, Migrationshintergrund…). Schwerpunkt der Papiere sollte Österreich und/oder Europa sein.
Vermögen und hohe Einkommen werden immer weniger besteuert, obwohl die Vermögen rasant ansteigen. Vermögende werden zunehmend aus der Verantwortung für das Gemeinwesen entlassen (Senkung der Gewinnsteuern, Senkung der Spitzensteuern bei Einkommensteuern, Stiftungsprivilege, Auslaufen der Erbschafts- und Schenkungssteuer, Nichterhebung der Vermögensteuer). Gleichzeitig sollen konservative Rollenbilder perpetuiert und steuerlich sanktioniert werden wodurch die (ökonomische) Ungleichheit von Mann und Frau festgeschrieben wird (Individualbesteuerung vs. Familien- oder Ehepaarbesteuerung?) Welche Interessen werden im Rahmen der Steuerpolitik wie durchgesetzt? Wie kann eine demokratische Steuerpolitik aussehen? Kann über Steuern überhaupt umverteilt werden? Welche Funktion haben die Staatseinnahmen durch Steuern für die Demokratie?
Welche Reformen und Reformvorhaben gibt es, und welche verteilungs- und/oder demokratiepolitischen Auswirkungen werden hierdurch erwartet? Welche Rolle spielt der Sozialstaat für den Ausgleich in der und die Akzeptanz der Demokratie? Welche ökonomischen, politischen und soziologischen Funktionen hat der Sozialstaat, welche Begründungszusammenhänge liegen verschiedenen Modellen (Welfare / Workfare) zu Grunde? Welches Menschen- und Demokratieverständnis postuliert der (österreichische) Sozialstaat und wie hat sich dies geändert?
Wie können Arme und Reiche ihre Interessen artikulieren, welche demokratiepolitischen Spannungsfelder ergeben sich hieraus? Kann durch Geld (Lobbying/Presse/PR) soviel Einfluss auf demokratische Entscheidungen genommen werden, dass von einer „ungleichen“ Demokratie gesprochen werden muss? Werden politische Auseinandersetzungen zu einer Frage ökonomischer Macht, d.h. des größten Werbebudgets? Welche Auswirkungen hat es auf die Legitimation einer Gesellschaftsverfassung, wenn Entscheidungen zunehmend weniger beeinflussbar werden? Führt die TINA-Logik (There is no Alternative zu Entlastungen der Vermögen Kürzungen des Sozialstaates) zu einer Entdemokratisierung? Ist Demokratie unter (ökonomisch) Ungleichen möglich? Bedarf es einer Neujustierung von Vermögensverteilung, um Demokratie zu ermöglichen? Welche Transparenz wäre notwendig, den Meinungs- und Willensbildungsprozess tatsächlich demokratisch zu gestalten?